04 – Ein Blick ins Universum – 02 – Psychologisch: Warum wir nicht aufhören können: Die Psychologie der Social-Media-Nutzung

Es gibt einen Moment, den fast alle kennen. Man greift nach dem Smartphone — ohne bewusste Entscheidung, ohne konkretes Ziel, manchmal ohne überhaupt zu wissen warum. Die Hand bewegt sich, bevor der Kopf verstanden hat. Der Bildschirm leuchtet auf. Der Feed beginnt zu scrollen. Und irgendwann, fünfzehn oder fünfzig Minuten später, legt man das Telefon wieder weg — mit dem diffusen Gefühl, Zeit verbracht zu haben, ohne etwas Bestimmtes getan zu haben.

Dieser Moment ist kein Zufall. Er ist das Ergebnis jahrzehntelanger Forschung, massiver Investitionen in Verhaltenswissenschaft und eines Geschäftsmodells, das auf der systematischen Nutzung neurobiologischer Mechanismen des menschlichen Gehirns aufbaut. Was sich wie eine persönliche Schwäche anfühlt — „ich bin einfach nicht diszipliniert genug“ — ist in Wirklichkeit die vorhersehbare Reaktion eines menschlichen Gehirns auf ein System, das präzise darauf ausgelegt wurde, genau diese Reaktion zu erzeugen.

Dieser Artikel erklärt, was dabei neurobiologisch, psychologisch und epidemiologisch passiert. Er tut das auf der Grundlage veröffentlichter Forschung und offizieller Stellen — ohne medizinische Diagnosen zu stellen, die einer ärztlichen oder therapeutischen Beurteilung vorbehalten sind. Und er zeigt, wo Menschen in Deutschland Informationen und Unterstützung finden können, wenn sie sich Sorgen machen — um sich selbst oder um nahestehende Personen.


Teil 1: Das Belohnungssystem — wie Social Media das Gehirn aktiviert

Dopamin: Der Botenstoff der Erwartung

Um zu verstehen, warum Social Media so schwer loszulassen ist, muss man verstehen, wie das menschliche Gehirn Belohnungen verarbeitet. Im Zentrum steht dabei ein Neurotransmitter, der häufig missverstanden wird: Dopamin.

Dopamin wird oft als „Glückshormon“ beschrieben — als Botenstoff, der ausgeschüttet wird, wenn wir etwas Gutes erleben. Das ist jedoch ungenau. Dopamin wird nicht primär bei der Belohnung selbst ausgeschüttet, sondern bei der Erwartung einer Belohnung. Es ist der Neurotransmitter der Vorfreude, der Spannung, des „Was kommt als nächstes?“. Dieser Mechanismus ist evolutionär sinnvoll: Er motiviert uns, nach Nahrung zu suchen, soziale Bindungen zu pflegen, Risiken einzuschätzen und zu handeln, bevor eine Belohnung sicher ist.

Besonders aktiv ist dabei der Nucleus Accumbens — ein Bereich im Belohnungssystem des Gehirns, der eng mit dem dopaminergen System verbunden ist. Eine Studie der UCLA zeigte, dass bei Teenagern die gleichen Gehirnareale aufleuchten, wenn sie Likes auf ihre Fotos erhalten, wie wenn sie Schokolade essen oder Geld gewinnen.

Was Social-Media-Plattformen so wirkungsvoll macht: Sie haben diesen uralten evolutionären Mechanismus digitalisiert und skaliert. Jedes Like, jeder Kommentar, jede Benachrichtigung, jeder neue Follower — all das aktiviert das dopaminerge Belohnungssystem. Stanford-Psychiaterin Dr. Anna Lembke beschreibt das Smartphone daher als eine „moderne Injektionsnadel“, die uns digital mit Dopamin versorgt. Jeder Like, jeder Kommentar oder neue Follower kann einen kleinen Glücksrausch auslösen — was dazu führt, dass wir immer wieder zurückkehren und mehr davon wollen.

Intermittierende Verstärkung: Das Prinzip des Glücksspielautomaten

Der eigentliche Kern des Suchtpotenzials sozialer Medien liegt jedoch nicht im einzelnen Like — sondern in der Unvorhersehbarkeit der Belohnungen. In der Verhaltenspsychologie ist dieses Prinzip als intermittierende Verstärkung bekannt, und es ist eines der wirkungsvollsten Verfahren zur Erzeugung anhaltenden Verhaltens, das die Forschung kennt.

Das Konzept wurde von dem amerikanischen Psychologen B.F. Skinner schon in den 1950er Jahren beschrieben: Wenn eine Belohnung nicht immer, sondern zufällig und unvorhersehbar auf ein Verhalten folgt, wird dieses Verhalten besonders stark und widerstandsfähig gegen seine Auflösung. Skinner demonstrierte das mit Ratten in Käfigen: Ratten, die immer Futter bekamen, wenn sie einen Hebel drückten, hörten schnell auf zu drücken, wenn das Futter ausblieb. Ratten, die nur manchmal Futter bekamen, drückten den Hebel wesentlich häufiger und hörten auch dann nicht auf, wenn das Futter längst ausblieb.

Quelle: Herzbaum-DALIB-Universe
KI-generiert mit Nano Banana Pro

Dieser Mechanismus ist identisch mit dem, der bei Glücksspielautomaten süchtig macht: Nicht der garantierte Gewinn hält den Menschen am Spielen, sondern die bloße Möglichkeit eines Gewinns. Und Social-Media-Plattformen funktionieren nach exakt demselben Prinzip: Der endlose Feed, der immer weitergescrollt werden kann. Die Push-Benachrichtigung, die jederzeit kommen könnte. Das Like, das vielleicht heute kommt — oder vielleicht nicht. Jede dieser Interaktionen ist eine potenzielle Belohnung, deren Eintreten unvorhersehbar ist. Das Gehirn bleibt in einem Zustand der Dauererwartung.

Toleranz und Kalibrierung: Wenn das Gewöhnliche nicht mehr reicht

Mit zunehmender Nutzungsintensität entsteht ein Problem, das aus der Suchtforschung bekannt ist: Toleranz. Je häufiger das Belohnungssystem durch denselben Reiz aktiviert wird, desto mehr Reiz braucht es, um weiterhin denselben Effekt zu erzielen. Das Gehirn kalibriert sich neu — es senkt die Dopaminausschüttung auf bekannte Reize und erhöht die Sensibilität für neuartige, intensivere Stimuli.

Es gibt Hinweise aus der Forschung, dass die Ausschüttung von Dopamin und körpereigenen Opioiden eine Rolle spielen könnten und dadurch Veränderungen im Hirnstoffwechsel auftreten. Aus Bildgebungsuntersuchungen weiß man, dass vor allem Gehirnareale wie das Belohnungs- und Suchsystem betroffen sind.

Die praktische Konsequenz dieser Toleranzentwicklung: Alltägliche Aktivitäten — ein Spaziergang, ein Gespräch, ein Buch — wirken im Vergleich zunehmend reizarm. Das Gehirn hat sich an eine Stimulationsintensität gewöhnt, die offline kaum zu erreichen ist. Immer mehr Menschen wollen sich davon lösen, was sich unter anderem in der Anzahl der Google-Suchen nach „social media detox“ zeigt. In den vergangenen Monaten hat diese um 60 Prozent zugenommen.


Teil 2: Die Geständnisse der Erfinder

Quelle: Herzbaum-DALIB-Universe
KI-generiert mit Nano Banana Pro

Was das Suchtpotenzial sozialer Medien besonders bemerkenswert macht: Viele der Menschen, die die zentralen Mechanismen erfunden haben, wissen sehr genau, was sie geschaffen haben — und haben sich öffentlich dazu geäußert.

Aza Raskin erfand 2006 das Infinite Scrolling — jenen endlosen Feed, der einfach weiterläuft, weil kein Ende existiert, das zur Pause zwingt. 2019 bereute er seine Erfindung öffentlich und erklärte gegenüber der BBC, dass Social-Media-Unternehmen ihre Nutzer bewusst abhängig machen. Er bezifferte die kollektiven Kosten seiner Erfindung auf rund 200.000 Lebenszeiten menschlicher Aufmerksamkeit pro Tag — weltweit.

Loren Brichter erfand das Pull-to-Refresh — jenes Herunterziehen des Feeds, das ihn neu lädt wie einen Glücksspielautomaten. In einem Interview erklärte er:

„Pull-to-Refresh macht süchtig. Als ich damals daran arbeitete, war ich nicht reif genug, um über die Folgen nachzudenken. […] Ich bereue definitiv die Schattenseiten.“

Sean Parker, Mitgründer von Facebook, sagte auf einer öffentlichen Veranstaltung des US-Mediendienstes Axios, Facebook habe von Anfang an bewusst eine Schwachstelle der menschlichen Psyche ausgenutzt. Der Like-Button sei so konzipiert worden, dass er jedes Mal ein kleines bisschen Dopamin freisetzt — eine Feedback-Schleife der sozialen Bestätigung, bewusst eingebaut, um die Nutzer immer wieder zurückzuholen. Parker fügte hinzu:

„Nur Gott weiß, was das mit den Gehirnen unserer Kinder macht.“

Diese Aussagen sind keine nachträglichen Enthüllungen von Whistleblowern. Sie sind Geständnisse von Menschen, die das System von innen kennen — und die trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, darüber reden.


Teil 3: Was die Forschung zeigt — Epidemiologie und Betroffene

Deutschland: Es betrifft nicht nur Kinder

Die Frage, wie weit verbreitet problematische Social-Media-Nutzung in der Bevölkerung ist, beantwortet eine der bislang größten deutschen Erhebungen zu diesem Thema: Das Deutsche Gesundheitsbarometer des Deutschen Zentrums für Psychische Gesundheit (DZPG) in Zusammenarbeit mit der Ruhr-Universität Bochum befragte zwischen September 2024 und November 2025 mehr als 22.000 Erwachsene ab 18 Jahren. Das Ergebnis: Über ein Viertel aller Befragten weist ein suchtartiges Nutzungsverhalten sozialer Medien auf.

Das Ärzteblatt beschreibt in einer Studie zu Social-Media-Sucht einen besonders aufschlussreichen Mechanismus: Die Anzahl der Likes, die Nutzende erhalten, wird zum Indikator für den eigenen Selbstwert — ein externer Zahlenwert ersetzt das innere Gefühl von Wert und Anerkennung. Die häufigsten Begleiterscheinungen, die die Studie benennt: Depressionen, soziale Ängste, Schlafstörungen und Probleme mit der Emotionsregulation.

Laut Daten des Medienbeobachtungsunternehmens Meltwater, die im Januar 2024 veröffentlicht wurden, sind rund 81 Prozent der Internetnutzer auf Social-Media-Plattformen aktiv — und das im Schnitt fast zwei Stunden pro Tag.

Kinder und Jugendliche: Besondere Vulnerabilität

Für Kinder und Jugendliche sind die Befunde besonders ernst zu nehmen — nicht weil junge Menschen schwächer wären, sondern weil ihr Gehirn sich noch in einer intensiven Entwicklungsphase befindet. Der präfrontale Kortex, der für Impulskontrolle, Risikoabwägung und Selbstregulation zuständig ist, ist bei Jugendlichen noch nicht vollständig ausgereift. Das macht das Gehirn in dieser Lebensphase besonders empfänglich für suchtartige Muster.

Fast alle Kinder und Jugendlichen zwischen 10 und 17 Jahren in Deutschland nutzten 2024 regelmäßig Soziale Medien, die meisten täglich. 21 von 100 Kindern und Jugendlichen nutzten soziale Medien in einem riskanten Ausmaß. Das entspricht über 1,3 Millionen Kindern und Jugendlichen in Deutschland.

Die DAK-Mediensuchtstudie 2025 kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: Mehr als jedes vierte Kind zwischen 10 und 17 Jahren weist problematische Nutzungsmuster auf — das entspricht mehr als 1,5 Millionen Betroffenen. Die JIM-Studie 2025 zeigt, wie tief Social Media im Alltag verankert ist: Instagram nutzen 63 Prozent der 12- bis 19-Jährigen regelmäßig, Snapchat 56 Prozent, TikTok 53 Prozent — bei WhatsApp sind es sogar 96 Prozent. Insgesamt verbringen Jugendliche im Schnitt 231 Minuten, also knapp vier Stunden täglich am Smartphone, bei den 18- bis 19-Jährigen sind es über viereinhalb Stunden.

Christian Montag, Leiter der Abteilung für Molekulare Psychologie an der Universität Ulm und einer der führenden deutschen Forscher auf diesem Gebiet, hat 2024 in der Fachzeitschrift Addictive Behaviors und in Nature Reviews Psychology Studien zu problematischer Social-Media-Nutzung im Kindes- und Jugendalter veröffentlicht. Ausschlaggebend für den Ulmer Wissenschaftler ist die Frage, wie stark die funktionellen Beeinträchtigungen für die jungen Nutzerinnen und Nutzer sind und wie groß die gesundheitlichen Probleme. Doch noch immer gibt es gravierende Forschungslücken über das, was auf neurologischer Ebene in den Gehirnen von Jugendlichen passiert.

Unterschiede nach Geschlecht

Die Forschung zeigt jedoch starke Unterschiede in den Nutzungsmustern von Mädchen und Jungen. Mädchen sind im Bereich der visuellen sozialen Netzwerke — insbesondere Instagram und TikTok — häufiger von problematischen Mustern betroffen, während Jungen stärker von exzessivem Gaming betroffen sind. Diese Unterschiede sind jedoch vermutlich nicht biologisch bedingt, sondern spiegeln lediglich unterschiedliche Plattformnutzung und soziale Vergleichsprozesse wider. Mädchen berichten häufiger von sozialen Vergleichen durch Bilder und Körperdarstellungen auf sozialen Plattformen — ein Aspekt, der in späteren Ausgaben dieses Jahres noch ausführlich behandelt wird.


Teil 4: Zwischen Nutzung und Störung — was Forschung und Klassifikationssysteme sagen

Die wissenschaftliche Debatte

Die Frage, ob und wann Social-Media-Nutzung als klinische Störung zu verstehen ist, ist in der Wissenschaft noch nicht abschließend geklärt und damit unbeantwortet. Der Nachweis eines direkten Zusammenhangs zwischen der Gestaltung der Plattformen und den psychischen Folgen ist bislang sehr schwierig.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat 2022 in der aktuellen Internationalen Klassifikation der Erkrankungen (ICD-11) die „Gaming Disorder“ als eigenständige Diagnose aufgenommen. Eine spezifische Social-Media-Nutzungsstörung ist im ICD-11 noch nicht verankert — wird aber in der Forschungsgemeinschaft diskutiert. Die Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie (DG-Sucht) hat ein Memorandum zu internetbezogenen Störungen veröffentlicht, das Kriterien für problematische Nutzungsmuster beschreibt.

War der Begriff „Internetsucht“ ursprünglich Mitte der neunziger Jahre eine witzige Scheindiagnose, setzte sich in den folgenden Jahren in der öffentlichen und wissenschaftlichen Diskussion die Erkenntnis durch, dass mit dem Anstieg der Computer- und Internetnutzung eine neue verhaltensbezogene Sucht entstehen kann.

Wann wird die Nutzung zum Problem?

Dass Jugendliche sich phasenweise intensiv mit einer neuen App oder allgemein mit digitalen Angeboten beschäftigen, ist ganz normal. Allein an der Nutzungsdauer oder -häufigkeit kann also keine Mediensucht festgemacht werden. Der Übergang zwischen einer intensiven und exzessiven Mediennutzung verläuft somit fließend.

Forschungsbasierte Kriterien, die in wissenschaftlichen Studien untersucht werden, umfassen unter anderem: den Verlust der Kontrolle über die Nutzungsdauer trotz mehrfacher Versuche, diese zu reduzieren; das Auftreten von Entzugserscheinungen wie Gereiztheit, Nervosität oder Unruhe, wenn der Zugang zum Smartphone oder zu Social Media Plattformen eingeschränkt wird; und eine zunehmende funktionelle Beeinträchtigung im Alltag — in Schule, Beruf, Beziehungen oder Schlaf.

Wichtig zu betonen: Eine gesicherte Diagnose kann letztendlich nur im ärztlichen bzw. therapeutischen Setting gestellt werden. Was sich nach Lesen dieses Artikels wie eine Selbstdiagnose anfühlen mag, ist keine. Die hier beschriebenen Muster sind Forschungsbefunde, keine diagnostischen Kriterien für den Eigengebrauch.


Teil 5: Was es gibt — Anlaufstellen und Informationsangebote in Deutschland

Für Menschen, die sich Sorgen über ihre eigene Social-Media-Nutzung machen oder für Eltern, die sich um ihre Kinder sorgen, gibt es in Deutschland eine Reihe etablierter Anlaufstellen und Informationsangebote — kostenlos, anonym, professionell begleitet.

Für Jugendliche:

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) betreibt mit ins-netz-gehen.de ein Präventionsangebot speziell für 12- bis 17-Jährige. Auf der Seite finden sich Informationen, Selbsttests und die Möglichkeit zur kostenlosen Online-Beratung durch Fachkräfte.

Das BZgA-Infotelefon zur Suchtvorbeugung ist montags bis donnerstags von 10 bis 22 Uhr und freitags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr erreichbar unter 0221 89 20 31.

Für Eltern:

ELSA (Elternberatung Sucht und Abhängigkeit) bietet professionelle, kostenfreie Online-Beratung und Hilfe zu allen Fragen rund um den Medienkonsum von Kindern. Die Beratung erfolgt verschlüsselt über die DigiSucht-Plattform. Das Angebot ist kostenlos und wird von Suchtberaterinnen und -beratern aus dem gesamten Bundesgebiet getragen.

Quelle: Herzbaum-DALIB-Universe
KI-generiert mit Nano Banana Pro

DigiSucht:

DigiSucht.de ist eine digitale Beratungsplattform, über die Suchtberatungsstellen anonym und kostenfrei digital erreicht werden können — per Chat, per Nachricht oder per Video.

Informationen des Bundesgesundheitsministeriums:

Das Bundesgesundheitsportal gesund.bund.de bietet einen umfassenden, medizinisch geprüften Überblick über das Thema Online-Sucht — mit Informationen zu Symptomen, Forschungsstand und verfügbaren Unterstützungsangeboten.

Suchtberatungsstellen informieren und beraten kostenfrei und vertraulich, wenn gewünscht auch anonym. Unterstützung bieten sie zudem unter anderem bei der Wahl geeigneter Angebote vor Ort. Bestimmte Beratungsstellen bieten auch selbst ambulante Begleitung an.


Fazit: System und nicht Schwäche

Die Forschungslage ist eindeutig: Das, was viele als persönliche Disziplinschwäche erleben, ist in Wirklichkeit die vorhersehbare Reaktion eines menschlichen Gehirns auf ein System, das mit erheblichem wissenschaftlichem und finanziellem Aufwand darauf ausgelegt wurde, Aufmerksamkeit zu maximieren. Das macht individuelle Entscheidungen nicht irrelevant — aber es verändert, wie diese Entscheidungen zu bewerten sind.

Die Erfinder der zentralen Mechanismen haben es selbst gesagt. Die Forschung hat es messbar gemacht. Und mehr als 1,3 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland allein zeigen, dass die Folgen dieser Systementscheidungen weit über den Einzelfall hinausgehen.

Wie Social Media gesellschaftliche Diskurse verändert, welche Folgen das für die Demokratie hat und was die Wirtschaft hinter dem Aufmerksamkeitsmodell ist — das lest ihr in den weiteren Artikeln dieses Themenblockes hier im Wurzelboten.


Der Wurzelbote ist das rollende Themenmagazin des Herzbaum-DALIB-Universe. Neue Artikel erscheinen wöchentlich, passend zu den Ausgaben des Blätterboten. Den Blätterboten gibt es kostenlos auf https://hdu-niverse.de/blaetterbote .

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und Aufklärung. Er ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung und ist nicht zur Selbstdiagnose geeignet. Bei Sorgen über das eigene Nutzungsverhalten oder das von nahestehenden Personen empfehle ich die aufgeführten Anlaufstellen.


Quellen:

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